Die 10 Vorteile eines professionellen Lektorats

Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Gastbeitrag von Mag. Dr. Melanie Knünz.

Endlich ist der Text fertig, lange hat man daran gearbeitet, er hat einige graue Haare gekostet. Aber man wähnt seinen Text fertig. Doch weit gefehlt: Nach dem Verfassen des Textes geht es erst richtig los – nämlich mit dem Lektorat, das einen Text erst so richtig zum Glänzen bringt.

Wer meint, dass nach dem mühsamen und anstrengenden Verfassen des Textes so gut wie alles erledigt ist, täuscht sich. Auch wenn man noch ein oder zwei Mal über den Text liest und grobe Schnitzer ausbessert, der Text sollte vor einer Veröffentlichung egal welcher Art professionell geprüft werden. Schnell mal die Freundin drüber lesen zu lassen, die Germanistik studiert, gut in Rechtschreibung ist und sich auch mit Satzzeichen ganz gut auskennt – das reicht bei weitem nicht aus.

Ein professionelles Lektorat von einem fachkundigen Lektor bietet viele Vorteile und ist kein Luxus. Diese Vorteile sind nicht zu unterschätzen, wenn man einen sprachlich und inhaltlich einwandfreien Text benötigt. Zum Beispiel das E-Book eines Self-Publishers, der Text fürs Web, das Manuskript an den Verlag etc.

1. Der Lektor vom Fach

Bei der Wahl des Lektors sollte darauf geachtet werden, dass er vom Fach ist, d.h. im idealsten Fall das Fachthema der zu lektorierenden Arbeit studiert hat oder zumindest andere Erfahrungen in diesem Bereich gesammelt hat (durch ehrenamtliche Tätigkeiten z.B.). Dadurch ist garantiert, dass der Lektor auch inhaltliche Ungereimtheiten und Auffälligkeiten (wie z.B. fehlende Quellenangabe bei einem direkten Zitat in einer wissenschaftlichen Publikation) findet und ausmerzt.

2. Nicht nur korrigieren, sondern optimieren

Ein Lektor bearbeitet den Text über den Umfang eines Korrektorats hinaus: Neben Überprüfung von Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik setzt er sich auch mit dem großen Ganzen auseinander. Er optimiert den Stil und Ausdruck des Textes der Zielsetzung entsprechend. Das heißt, er achtet z.B. auf einen dem Fachjargon angepassten Schreibstil in einem Zeitschriftenbeitrag für ein wissenschaftliches, internationales Journal oder ersetzt umgangssprachliche Formulierungen in einem Geschäftsbericht. Anders hingegen in einer Seminararbeit eines Studenten: Hier wird ein Lektor auf klare, verständliche Sprache und auf die Definition von häufig verwendeten Fachbegriffen achten.

3. Lesbarere Texte

Das Lektorat deckt unschöne Wortwiederholungen auf und ersetzt sie durch passende Synonyme. Lange, unverständliche Satzungetüme werden entwirrt und Schachtelsätze mit mehreren Nebensätzen in einfache, kurze aufgelöst. Dadurch erhöht sich deutlich die Lesbarkeit des Textes. Denn ein Text ist immer noch und als Allererstes für den Leser da, der in verstehen sollte!

4. Zusätzliche Überprüfung von Struktur und Gliederung

Ein Lektor prüft auch die Gliederung und Struktur einer Arbeit und gibt Verbesserungsvorschläge, wo es nachträglich noch nötig und sinnvoll ist. Auch im Vorfeld einer Textarbeit kann ein Lektor tätig werden und bereits beim Brainstorming und der Grobplanung des Textes behilflich sein (z.B. anhand eines Mindmaps oder eines vorläufigen Inhaltsverzeichnisses). Der Lektor achtet darauf, dass der rote Faden durch den Text beibehalten wird und am Ende in eine Zusammenfassung oder Schlussfolgerung fließt.

5. Aufspüren von (typo-)grafischen Fehlern

Ein Lektor, der schon Erfahrungen in einem Verlag oder einem Medien-/Werbeunternehmen sammeln konnte, wird auch auf unschöne typografische und grafische Fehler hinweisen und bereits im Word-Dokument tilgen. So sparen Sie sich unnötigen Mehraufwand und Mehrkosten für den Grafiker, falls der Text später noch grafisch verschönert werden soll.

6. Im Netzwerk mit Grafikern und Fotografen

Ein gut vernetzter Lektor kann Kontakte zu Grafikern oder Fotografen herstellen. Ein Grafiker kann dabei behilflich sein, die Texte in eine optisch ansprechende Form zu bringen. Es gibt Grafiker, die sich auf Satz, Design und Layout von bestimmten Textsorten und Medien spezialisiert haben. Nicht alle Grafiker haben aber auch genügend Erfahrung mit Büchern/Publikationen oder Werbemitteln bzw. sind nur auf Webdesign spezialisiert. Der Lektor Ihres Vertrauens wird in seinem Netzwerk den Kontakt zu dem Grafiker oder Fotografen herstellen, der aus Ihren Texten schöne Bücher oder Werbemittel macht.

7. Im optimalsten Fall: Erfahrung im Verlagslektorat

Vor allem Autoren, die darüber nachdenken, ihren Text einem Verlag zur Veröffentlichung anzubieten, sollten unbedingt vorher in ein gutes Lektorat investieren. Auch wenn verlagsintern vor Drucklegung ein weiteres Lektorat angeboten werden sollte – es steigen Ihre Chancen auf Annahme des Manuskripts enorm, wenn das Manuskript in sprachlich einwandfreier und grafisch ansprechender Form dem Verlag vorgelegt wird. In Verlagen fehlt oft die Zeit, um bei den Unmengen an unaufgefordert eingereichten Manuskripten die Texte ausreichend zu prüfen. So entscheidet der erste Eindruck: Ist das Manuskript korrekt formatiert? Enthält es alle für die entsprechende Publikationsform nötigen Bestandteile (Vorwort, Inhaltsverzeichnis, Seitenzahl, Zusammenfassung etc.)?

Findet der Verlagsmitarbeiter bereits im Vorwort unschöne Formulierungen oder Tippfehler, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das Manuskript nicht näher inhaltlich geprüft wird und auf dem Stapel für die Absagen landet.

Aber auch Self-Publisher profitieren von einem Lektorat. Wenn das erste E-Book inhaltlich und textlich vorbildlich hergestellt ist, steigert dies Ihren Expertenstatus in der Fachwelt enorm.

8. Tipps aus einer anderen Perspektive

Ein Lektor kann Ihnen hilfreiche Tipps geben. Er betrachtet den Text aus einer völlig anderen Perspektive. Während Sie wahrscheinlich vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen, überblickt ein Lektor das Gesamtwerk von einer anderen Warte aus und kann noch hilfreiche Hinweise für Ergänzungen geben.

9. Menschlich und fachlich auf Augenhöhe

Mit einem guten Lektor sollten Sie auch menschlich auf einen grünen Zweig kommen. Ein Text ist etwas sehr Persönliches – ein guter Lektor respektiert und achtet Ihre Art und Ihren Stil des Schreibens. Er formuliert nur da um, wo etwas entweder offensichtlich falsch ist oder einfacher erklärt werden könnte. Ein guter Lektor macht Vorschläge für Umformulierungen und schreibt nicht stillschweigend ganze Passagen um. Achten Sie darauf, dass der Lektor im Korrektur-/Überarbeitungsmodus im Word oder im Bearbeitungsmodus Ihres Textverarbeitungs-Programms arbeitet. Nur so können Sie später nachvollziehen, was verändert wurde. Haben Autor und Lektor bereits seit mehreren Projekten zusammengearbeitet, besteht meist ein so gutes Verhältnis, dass der Lektor in stillem Einvernehmen mit dem Autor am Text arbeiten kann.

10. Texte zum Strahlen und Glänzen bringen

Ein Lektor bringt einen Text zum Glänzen. Nach einem Lektorat sollte ein Text stilistisch der Textsorte und dem Zielpublikum entsprechend redigiert und noch präziser und leserfreundlicher formuliert sein. Sind nach dem Lektorat Fachbegriffe zu finden, die schlicht und einfach falsch sind oder aus dem Zusammenhang gerissen wurden, und Absätze immer noch holprig zu lesen, sollten Sie die Wahl des Lektors überdenken. Eventuell war er mit dem Thema/der Fachrichtung des Textes überfordert.

Über die Autorin:

Mag. Dr. Melanie Knünz ist freie Lektorin und Texterin in ihrem Unternehmen Text:Quell. Ihre große Leidenschaft sind Buchstaben, Worte, Sätze, Texte, Schriftstücke aller Art. Sie korrigiert, formuliert und optimiert Texte – klar, flüssig und textsicher! Als langjährige Verlagsmitarbeiterin und promovierte Germanistin hat sie sich ein breites Wissen im Umgang mit verschiedensten Textsorten angeeignet. In ihrem Blog vermittelt sie hilfreiche Tipps und Tricks für alle, die beruflich und privat mit Texten zu tun haben: www.text-quell.at/blog

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