Themensuche: Techniken für freiberufliche Texter, Journalisten, Autoren

Die Themensuche ist ein wichtiges Erfolgskriterium für freiberufliche Journalisten, Texter und Autoren. Warum? Ohne Thema habe ich keinen Anhaltspunkt für einen Beitrag und in der Folge auch nichts, das ich verkaufen kann. Wie löse ich dieses Problem? Die folgenden Techniken haben sich für viele Freelancer bewährt:

1. Raus aus dem Büro

Symbolbild: Mondfahrzeug

Eines ist klar, wir leben im 21 Jahrhundert und dank des Internets liegen viele Themenansätze auch in den unendlichen Weiten des Webs begraben. Dennoch sollte man diese altbewährte Technik nicht vernachlässigen. Abgesehen davon, dass ein ausgedehnter Spaziergang den grauen Zellen wieder einmal Sauerstoff zuführt und die Kreativität nur so sprühen lässt, liegt für Freelancer im Textbereich das Geld tatsächlich auf der Straße – nämlich in Form von guten Geschichten…

Am augenscheinlichsten trifft dies natürlich auf Lokaljournalisten zu. Jede Baustelle, jedes Ereignis (Flashmob, Unfall, etc.) kann für Regionalmedien interessant sein. Der Blick sollte sich jedoch nicht nur darauf beschränken. Praktisch alles, was es zu beobachten gibt, könnte für das eine oder andere Medium von Interesse sein.

Mit der Hilfe von ein paar Beispielen, will ich erklären, was ich meine:

  • Du siehst im Park ein paar Kinder mit ferngesteuerten Benzinautos spielen. Für dieses Hobby gibt es sicherlich mehrere Fachzeitschriften. Mögliche Themen: Ein Service-Artikel, der diese Frage beantwortet: Welche dieser Autos sind für Kinder geeignet? Oder ein Beitrag für Testzeitschriften/Webportale (z. B.: Stiftung Warentest): Ein Artikel über die besten für Kinder geeigneten ferngesteuerten Benzinautos. (Eine Mehrfachverwertung liegt bei diesem Beispiel für eine einmal geleistete Recherchearbeit auf der Hand. Was das bedeutet, erkläre ich bald in einem eigenen Beitrag.) Was fällt dir zu dem Bild noch ein? Reportagen in Elternzeitschriften/Publikumsmedien/Regionalmedien zur Modell-Benzinauto-Szene und dem Nachwuchs darin (falls es eine solche Szene gibt). Und, und, und…
  • Du siehst deine betagte Nachbarin, wie sie sich mit Krücken durch das Stiegenhaus quält. Ihre letzte Hüftoperation ist nämlich noch nicht lange her. Mögliche Aufhänger: Für Medien mit Senioren als Zielpublikum-> alle Themen rund um Hüft-OPs: Verhalten zum Unterstützen des Heilungsprozesses; Wann ist eine Hüft-OP nötig, was bringt sie, bis zu welchem Alter ist sie ratsam etc.; Mit welchen Leistungen unterstützt die Krankenkasse Senioren bei Hüft-OPs, welche Kosten kommen auf einen selbst zu (als Ideen für Servicegeschichten). Weil dir auch der fehlende Aufzug auffällt, bietet sich vielleicht auch dazu eine Geschichte an…

Beide Bilder könnten natürlich noch zu viel besseren Ansätzen führen, wenn du mit den beteiligten Personen ins Gespräch kommst. Dass einem die Nachbarin viel über Leidenswege, tolle oder miserable Ärzte/Reha-Kliniken, Probleme und Fragen rund um Hüft-OPs und Krankenkassa-Leistungen erzählen kann, wird einleuchten. Das eine oder andere „heiße“ Thema ist vielleicht dabei.

Auch bei den Kindern können die Beobachtungen durch ein Gespräch noch einen viel interessanteren Spin bekommen: Was, wenn du dem 10-jährigen Weltmeister gegenüberstehst? Was, wenn nächste Woche bei dir im Ort die nächste Europameisterschaft stattfindet und 10.000 Modellautofans die Stadt stürmen werden? Was, wenn…

Ideen für Beiträge finden sich praktisch überall. Du kannst dir auch angewöhnen gewisse „beitragsträchtige“ Orte immer wieder aufzusuchen: Messen (sowohl Publikums- als auch Fachmessen -> interessante Personen und Geschichten triffst du dort mit Sicherheit), schwarze Bretter im Supermarkt/Fitnesscenter/Unis/etc., Vereine (im deutschsprachigen Raum gibt es kaum ein Thema, zu dem kein Verein gegründet wurde), Kaffeehäuser, Partys, Alltagsgespräche mit Freunden und Bekannten (hier musst du lernen, richtig hinzuhören), Werbeflyer, Wühltische und, und, und…

Tipps zum Üben

1. Geh einfach eine Stunde lang spazieren und sieh genau hin. Notiere dir mindestens 20 Ideen für Beiträge. Klar, ein paar entpuppen sich bei genauerer Prüfung als uninteressant. Aber ich bin mir sicher: 2-3 dieser Ideen sind hervorragend umzusetzen und eignen sich zum Verkauf.

2. Suche dir mindestens drei schwarze Bretter in deiner näheren Umgebung und versuche auf jedem, zumindest einen Rechercheansatz für eine interessante Geschichte zu finden. Selbst, wenn davon nur 1 wirklich etwas hergibt, hat sich die Übung gelohnt.

2. Themenideen liegen auch auf dem Schreibtisch

Schreibtisch

Auch, wenn es komisch klingt, aber diese Überschrift verspricht nicht zuviel. Es ist wirklich so: Internet sei Dank befinden sich hervorragende Themenideen für Texter, Autoren und Journalisten jedes Mediums in rauen Mengen auf jedem Schreibtisch. Das verwundert mit Sicherheit niemanden mehr. Was jedoch vielleicht den einen oder anderen noch verwundern mag: Auch bevor das Internet überall vorhanden war, lagen gute Aufhänger für Beiträge auf Schreibtischen und – noch viel öfter – in Papierkörben herum.

Jetzt spinnt er völlig, mag sich vielleicht der eine oder andere denken, aber das Ganze entspricht der Wahrheit. Als ich im Jahr 2000 bei meiner ersten Zeitung begann, gab es natürlich bereits das Internet. Es wurde auch genutzt, aber es gab auch noch das gute alte Faxgerät und Briefe. Viele, viele Presseaussendungen und Mitteilungen erhielt die Redaktion auf diesen „Old-School-Wegen“. Die meisten landeten im Papierkorb. Warum? Weil sie meist nicht von Profis verfasst wurden und Redakteure oft unter Zeitdruck stehen.

Die Folge: Maximal die Überschrift und die ersten beiden Sätze werden gelesen. Klingt die Info nicht sofort interessant -> Papierkorb. Vor allem auf den Mitteilungen und Briefen, die Leser geschickt hatten, fanden sich jedoch hin und wieder hochwertige Informationen. Zum Beispiel: Ein Wanderer entdeckt einen von Wilderern getöteten Hirsch. Sie haben dem Tier nur das Geweih abgeschnitten und den Rest des Kadavers einfach liegen gelassen. Oder: Der heftige Sturz eines in der Region lebenden Burschen beim Skifahren erreichte auf Youtube 100.000 Klicks. Zugegeben: Die Quote solcher top Infos ist gering. Aber sie befinden sich darunter. Wer sich ein bisschen Zeit nimmt, kann sie entdecken…

Natürlich waren das jetzt zwei rein redaktionelle Beispiele. Der freiberufliche Autor, Texter oder Journalist erhält in der Regel nicht vom breiten Publikum Mitteilungen oder Presseaussendungen. Allerdings ist das 21 Jahrhundert bereits fortgeschritten und das Faxgerät gehört der Vergangenheit an. Heute gibt es Newsletter, Feeds, Blogs, Gruppen in sozialen Netzwerken, Foren, Onlinemedien und mehr, wodurch Mitteilungen permanent „hereinflattern“.

Hinter jeder Information könnte theoretisch ein gutes Thema stecken. Auch wenn diese Informationen meist bereits in Geschichten verpackt sind, bergen sie dennoch weiteres Potenzial. Damit meine ich nicht, dass du eine Geschichte 1:1 abschreiben solltest. Das ist Diebstahl! Und: Das hast du gar nicht nötig. Du kannst aus bereits veröffentlichten Beiträgen mit zwei einfachen Techniken, einen neuen Themenansatz machen und damit deine eigenen, neuen Texte veröffentlichen.

2.1 „Dreh das Ding weiter“

Symbolbild: Karussell

Wenn du eine Geschichte „weiterdrehen“ willst, musst du sie logisch weiterdenken. Dadurch erhältst du einen neuen Aufhänger zum Thema. Du nimmst eine neue Perspektive ein und blickst auf die Auswirkungen von Geschehnissen.

Ein einfaches Beispiel: Ein Unwetter, Hochwasser, Sturm, eine Katastrophe zerstören Landstriche einer Region. Die Erstmeldungen zum Thema beschreiben das Ereignis. Doch noch tagelang und eventuell sogar viel später werden neue Aspekte des Ereignisses zum Aufhänger. So schreibt ein Journalist darüber, wie viel die Schadenssumme ausmacht und, ob Versicherungen diese Schäden übernehmen. Der Nächste schreibt darüber, wie viele Tiere dabei verendet sind und was das für den Wildbestand in der Region ausmacht. Ein Dritter schreibt über Ernteeinbußen und schließende landwirtschaftliche Betriebe. Ein Vierter verfasst ein Portrait über einen freiwilligen Helfer, der bereits zum Xten Mal in eine Hochwasserregion reist, nur um den Betroffenen zu helfen, …

Das ganze funktioniert mit jedem Ereignis in jeder Branche. Daher stellt die Technik für jeden Freelancer ein mächtiges Instrument dar, um zu vielen neuen Themenideen zu gelangen.

Tipps zum Üben

Abonniere mindestens 5 Newsletter und Feeds, die für deine Arbeit interessant sein könnten. Tritt mindestens 5 entsprechenden Gruppen in sozialen Netzwerken bei und treibe dich in mindestens 5 entsprechenden Foren herum. Lies mindestens 10 Blogs und andere Medien aus deinen Spezialgebieten. Versuche aus jeweils 2 Informationen, die du dadurch erhältst einen Themenansatz für dich zu formen. D.h.: Du hast am Ende 2 Themenideen aus den Newslettern, 2 aus den Feeds, 2 aus Facebook & Co. usw.

2.2 Finde die Info-Lücke

Diese Technik ähnelt dem „Weiterdrehen“ und funktioniert ebenfalls fast bei allen Themen. Du liest einen Beitrag zu Thema „X“ und darin wird etwas erwähnt, dass nicht genau erklärt wurde. Genau aus dieser Informationslücke baust du dir nun deinen eigenen Aufhänger.

Um das an einem Beispiel zu verdeutlichen, kann ich gleich auf diesen Beitrag zurückgreifen. Relativ weit am Anfang habe ich das Thema „Mehrfachverwertung“ erwähnt, aber nicht ausführlich erklärt. Was bedeutet „Mehrfachverwertung“? Wie funktioniert das? Ich werde diese Info-Lücke aufgreifen, indem ich einen eigenen Beitrag zu dem Thema verfassen werde.

Ein weiteres Beispiel: Im Abschnitt „Weiterdrehen“ habe ich Meldungen über Unwetterschäden verwendet. Ich gehe nun davon aus, dass ein Kollege darüber schreibt, inwiefern Schäden an Häusern von klassischen Haushaltsversicherungen übernommen werden. Was in seinem Artikel jedoch vielleicht fehlt, ist eine Anleitung, wie Geschädigte zu ihrem Geld kommen. D. h.: Ich könnte einen Serviceartikel darüber verfassen, wie man eine erfolgsversprechende Schadensmeldung formuliert, wo man sie abgibt und worauf man sonst noch achten muss, um zu seinem Geld zu kommen.

Tipps zum Üben

Such dir 10 Beiträge heraus, die du gut findest und die dich für eine weitere Verwertung interessieren. Achte darin auf Informationslücken und schreibe sie heraus. Suche dir nun 10 solcher Lücken aus und mach daraus deinen neuen Aufhänger. Ich bin mir sicher, dass sich aus einigen gute Beiträge machen lassen.

3. Ideenfundgrube Archiv

Archiv, Bibliothek

Du hast bereits unzählige Beiträge als Texter, Blogger, Journalist, Autor verfasst. Hervorragend! Dann hoffe ich für dich, dass du diese auch irgendwo archiviert hast. Denn dein eigenes Archiv ist eine wahre Ideenfundgrube. In vielen findest du sicher eine Info-Lücke oder du kannst viele von ihnen weiterdrehen. Vielleicht jährt sich auch ein Beitrag, den du verfasst hast. Kannst du dazu etwas Neues schreiben? Das Archiv zu durchstöbern, lohnt sich sicher!

4. Du kennst andere Techniken? Bitte schreibe mir…

Du kennst noch weitere Techniken, die sich für dich bei der Themenfindung bewährt haben? Ich würde mich freuen, wenn du diese in einem Kommentar postest oder sie mir via E-Mail zukommen lässt. So kann ich diese in Zukunft auch einmal vorstellen.

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2 Kommentare

  1. Ein nicht zu unterschätzender Pool an Ideen ist auch die Buchhandlung oder die Zeitschriftenecke am Kiosk.
    Da kann man sogar gemütlich bei einem Kaffee (ein Café gibts fast schon in jeder guten Buchhandlung) in allen möglichen Büchern schmökern und Ideen sammeln.
    Bei einem Blick auf den Bestseller-Tisch lässt sich rasch herausfinden, was gerade aktuelle Themen sind. Aber auch in der Fachbuchabteilung sind immer wieder tolle Aufmacher aufzuspüren.
    Und wer so ein Bücherfreak ist wie ich hat bei einer solchen Themenrecherche sowieso immer seinen Spaß 😉

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  2. Hallo Manuel!

    Das werde ich in den nächsten Tagen auf jeden Fall in Angriff nehmen.
    Ich bin gespannt was dabei herauskommt und wie viel davon wieder einmal im Mülleimer landet. 😉
    Deine Seite ist wirklich sehr gelungen und deine Tipps sind sehr hilfreich!

    Danke
    Liebe Grüße

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