Wie verkaufe ich als freier Texter oder Journalist meine Texte? (Teil 1: Kunden finden)

Wie verkaufe ich meine Texte? Das ist wahrscheinlich die brennendste Frage, die sich freiberufliche Texter und Journalisten stellen. Denn wer nicht lernt, seine Arbeit zu verkaufen, wird damit kein Geld verdienen.

Mir ist bewusst, dass es mittlerweile einige Text-Plattformen gibt. Diese versprechen Textern die Arbeit der Kundenakquise abzunehmen. Die Fülle an Aufträgen, die man dort generieren kann, scheint tatsächlich endlos. Die Honorare sind aber gering. Oft springen dabei nur ein paar Euro pro Text heraus. Was, worüber und wie viel man dort schreibt, sollte man sich daher genau überlegen.

Während ein paar Euro als Nebenverdienst für Hobby-Schreiberlinge okay sein mögen, wird es für Profis äußerst schwer sein, das Leben damit zu finanzieren. Zudem ist das vielleicht nicht gerade das, was du machen willst, wenn du mehr journalistisch arbeiten willst und weniger als PR-Texter. Ob nur das Geld dich treibt oder auch dein journalistischer Traum ist aber egal. So oder so wirst du (auch) andere Auftraggeber akquirieren müssen. Und wie das geht, möchte ich in dieser Serie vorstellen.

1. Schritt: Spezialgebiete festlegen

Fokus, Lupe

Viele freiberuflichen Texter und Journalisten werden sich an dieser Stelle denken: „Wieso soll ich mich spezialisieren. Wenn ich mich in ein Thema verbeiße und sorgfältig recherchiere, dann kann ich über alles schreiben! Daher würde ich jeden Auftrag annehmen, der gut bezahlt wird.“ Dieser Gedanke ist aber wirtschaftlich etwas zu kurz gedacht.

Angestellte Redakteure oder PR/Werbe-Texter können nach so einem Schema vorgehen. Sie erhalten pünktlich am Monatsende verlässlich ihren Lohn. Ob sie für einen Text eine Stunde, fünf Tage oder drei Wochen recherchiert haben, ist dabei irrelevant. Solange der Arbeitgeber ihnen nicht kündigt und eine wochenlange Recherche für gut heißt, steht dem nichts im Wege. Die Angestellten können ja ihre Miete sicher zahlen.

(Eine Anmerkung in eigener Sache, um angestellte Kollegen nicht zu verärgern, die tagtäglich unter Zeitdruck stehen: Mir ist aus eigener Erfahrung bewusst, dass lange Recherchezeiten – vor allem im Tageszeitungsbereich – leider immer seltener ermöglicht werden und diese Arbeit neben den regelmäßigen Veröffentlichungen verlangt wird. Dennoch gilt das Prinzip: Zeit ist bei Angestellten nur für den Arbeitgeber Geld. Für die freiberuflichen Texter und Journalisten geht es um ihre eigene Zeit, also auch ums eigene Geld.)

Was heißt diese Feststellung für freie Texter und Journalisten: Wenn ich ein Thema habe, bei dem ich mich nicht auskenne, brauche ich länger, um zu recherchieren. Bin ich aber Experte auf einem Gebiet, so benötige ich weniger Zeit und kann mehr Beiträge in der gleichen Zeit verfassen. Und das Wichtigste: Die Qualität der Beiträge leidet dennoch nicht.

Ein weiterer Pluspunkt an einem Spezialgebiet ist folgender: Meistens bin ich ja nicht ohne Grund Experte auf einem Gebiet, sondern ich bin es, weil es mich besonders interessiert. Der Vorteil an dieser Einschränkung liegt neben der Zeitersparnis also zudem noch im gesicherten Spaßfaktor.

Daher wähle deine Spezialgebiete – also die Nischenmärkte für deine Texte – am besten nach deinen Interessen und deinem Können aus. Frag dich: Was kann ich am besten? Worin kenne ich mich besonders gut aus? Welche Themen machen mir am meisten Spaß?

1.1. Auch Regionen sind eine Nische

Nischen müssen übrigens nicht zwangsläufig Themengebiete sein. Auch eine Region kann als lukrativer Nischenmarkt dienen. So kenne ich einen Fotografen (nein, er ist kein Texter), der in einer ganzen Region praktisch das Monopol auf Fotos von Unfällen innehat. Er liefert allen regionalen Medien diese Bilder, sowie stets die Telefonnummer einer Kontaktperson der Einsatzkräfte. Dadurch brauchen die Redakteure aus Print-, Online- und TV-Medien nur noch diese Nummer anzurufen. Sie haben sofort die Geschichte und ein passendes Bild. Dieser Weg ist für die Journalisten so bequem und zeitsparend, dass die meisten Medien der Region auf ihn zurückgreifen.

Zudem fällt mir eine zweite Kollegin ein, die eine kleine Region in Österreich journalistisch praktisch alleine bedient. Die Region hat eine geografische Sonderstellung. Dadurch ist dieser Landstrich aber von allen Zentralredaktionen weit weg und gleichzeitig zu klein, um dort zusätzlich eine feste Redaktion zu installieren. Nicht einmal die Austria-Presse-Agentur ist vor Ort mit ihrem Netzwerk fest vertreten. Für österreichweite Medien, die natürlich auch zwangsläufig diese Region bedienen müssen, kann die Kollegin meist monopolartig nette Geschichten (Portraits, Reportagen, etc.) anbieten und zusätzlich noch bei großen aktuellen Ereignissen (Unwetter, Unfällen etc.) zum Zug kommen. Sie zu engagieren kommt fast jedem Verlag billiger, als einen Redakteur mindestens einen ganzen Tag lang dorthin zu schicken…

2. Schritt: Den Markt kennenlernen

Auswahl an Büchern und Zeitungen

Nachdem ich nun meine Spezialgebiete – also meine Nischenmärkte – gefunden habe, muss ich meinen Markt kennen lernen. Das heißt: Ich brauche eine Liste aller Zeitungen, Zeitschriften, Magazine, Online-Medien etc., die Interesse an meinem Themengebiet haben könnten. Zudem benötigen Unternehmen Texte in bestimmten Themengebieten für die unterschiedlichsten Zwecke. Auch die Unternehmen in meiner Nische sollte ich mir also für Corporate-Texte ansehen. All das sind dann meine potenziellen Kunden.

Habe ich mir eine solche Liste erstellt, kann ich aber noch nicht einfach wild „Herumtelefonieren“ und die Zielgruppe mit vagen „Hallo da bin ich und ich kenne mich auf eurem Gebiet aus“-Floskeln bombadieren. Das wird nur in den allerseltensten Fällen funktionieren.

Im ersten Schritt sollte ich mir genau ansehen, welche Art von Geschichten in welchen Medien veröffentlicht werden. Ich muss wissen, welches Medium welchen Schreibstil einsetzt und welche Informationen am liebsten in welcher Darstellungsform verfasst werden. Eine Boulevardzeitung wird kaum eine 70-seitige Abhandlung über das Werk von Goethe drucken wollen. Aber in einem Goethe-Jubiläumsjahr könnte man dort an seinem Geburtstag vielleicht trotzdem eine Reportage mit einem unterhaltsamen Aufhänger unterbringen.

An dieser Feststellung erkennt man bereits die beste Vorgehensweise: Ich habe mein Spezialgebiet. In diesem Spezialgebiet kenne ich mich aus. Aufgrund meiner Informationen entwickle ich Geschichtsideen. Diese Aufhänger bestimmen, wo ich was in welcher Form anbiete.

Ein Beispiel:

Angenommen du bist Mountainbiker aus Leidenschaft und weißt so gut wie alles über diesen Sport. Klarerweise sind alle Fachmagazine für jede Information, die du verarbeiten möchtest, deine Zielgruppe. Aber es gibt noch mehr: Du kennst die schönsten Radtouren in den Alpen? Das interessiert vielleicht auch ein Reisemagazin. Wenn es sich dabei um ein solches handelt, das nur Reportagen veröffentlicht, solltest du ihm aber auch eine Reportage anbieten.

Es kommt ein neuartiger Sattel auf den Markt, auf dem man besonders bequem sitzt? Klar, die Fachzeitschrift ist ein möglicher Abnehmer. Aber vielleicht findest du auch eine medizinische Zeitschrift als Kunde, weil dieser Sattel eine Körperhaltung herstellt, die den Rücken besonders entlastet.

Als Texter solltest du nicht nur an die Medien denken: Um bei dem Beispiel mit dem Sattel zu bleiben: Vielleicht gibt es Online-Shops, die gute Produktbeschreibungen brauchen. Vielleicht braucht die Herstellerfirma eine neue Montageanleitung, vielleicht…

Achte dabei aber darauf, dass du in keine Interessenkonflikte gerätst: Schreibst du Produktbeschreibungen oder PR-Texte für einen Hersteller, ist es nicht seriös im nächsten Schritt einen Testbericht über das Produkt zu verfassen.

Wie geht es weiter?

Hat man seine Nische bestimmt, findet man leicht seine potentiellen Kunden. An die will man verkaufen. Aber wie tritt man nun an die Entscheidungsträger heran? Wer ist das überhaupt, der bei Zeitung X oder Unternehmen Y die Entscheidung dafür trifft?

Eine mögliche Anleitung, wie du all das herausfindest, möchte ich dir im nächsten Teil dieser Serie geben.

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2 Kommentare

  1. Na das nenne ich mal einen gelungenen Beitrag. Für Anfänger in der Branche mit Texte Geld verdienen ein sehr guter Artikel. Werde ihn weiterempfehlen.

    Lg

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  2. Gratulation! Ein sehr gelungener Artikel, den ich mit grossem Interesse gelesen habe. Bin gespannt wie’s weitergeht?
    LG
    HelgaG

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